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Rowana
Volk der Toten


Dabei seit: 15.11.2008
Beiträge: 3
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Trolljagd Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Ein eisiger Wind fegte durch die nördlichen Trollhöhen. Er ließ die spärlichen Fichten erzittern und sorgte hier und dort, wo der Boden nicht überfroren war, für einen kleinen Staubteufel aus Schmutz, Schnee und braunen Blättern. Das eisige Wetter ließ die Wölfe sich in die Nähe der wenigen Siedlungen vorwagen, wo sie durch ihr Geheule Mensch und Tier verängstigten.

Vernünftige Leute blieben unter diesen Voraussetzungen daheim, tranken heißen Tee am Kamin und erzählten die alten Legenden über wahre Helden.

Das Pferd war alt, der Bär war noch älter und der Reiter sah aus als hätte er vor einiger Zeit seinen eigenen Tod verpasst. Er war groß, jedoch so hager dass er dem schneidenden Wind scheinbar wenig Widerstand bot. Er klopfte seine längst erkaltete Pfeife aus und steckte sie mit klammen Fingern in seine Brusttasche. Dann blieb er eine Zeit lang reglos sitzen. Das Pferd schnaubte ungeduldig.

"Na schön", sagte er schließlich. "Machen wir der Sache ein Ende." Er stieg vorsichtig aus dem Sattel.

"Ich seh' schon, ich werde deine 'Sache' mal wieder ausbaden müssen", brummte Haggis, der große Braunbär. "Du bekommst sicher wieder zur rechten Zeit einen Anfall geistiger Umnachtung oder irgendeiner deiner Rückenwirbel verklemmt sich wenn du eine hektische Bewegung machst und dann können wir zusehen wie wir dir aus der Patsche heraus helfen."

"Keine Sorge, Jungs, das wird schon nicht passieren."

"Du hast gut reden", erwiderte der Bär und scheuerte eine kahle Stelle an seiner Flanke an einem toten Baum. "Ich für meinen Teil verspüre wenig Lust, mich durch eine Nagelkeule zu Gulasch verarbeiten zu lassen, nur weil du zum falschen Zeitpunkt 'abwesend' bist."

Uno, der Kundige aus den weiten Steppen von Rohan seufzte. Er blies auf seine Finger, im vergeblichen Versuch diese zu erwärmen, zog seinen schweren Stab aus Mallornholz aus der Schlaufe am Sattel, ging einige Schritte zur Seite und konzentrierte sich. Dann rammte er die Spitze in den harten Untergrund und konzentrische Kreise aus blauem Licht zuckten über den felsigen Boden. Eine Blutkrähe fiel betäubt aus einer nahe stehenden Fichte. Danach nahm er den Stab in beide Hände und machte einige schnelle Scheinangriffe, hielt aber plötzlich inne und stützte sich schwer auf seinen mit Runen verzierten Stab.

"Ha!", rief er mit krächzender Stimme, "ich kann es noch immer. Aber ich könnte schwören dass dieser verflixte Stab von Tag zu Tag schwerer wird."

"Ich finde du solltest endlich damit aufhören. Suche dir doch einen Job als Berater und überlasse die schwierigen Dinge denjenigen Kundigen, die noch richtig im Saft stehen ..."

Uno funkelte den Bären zornig an. "Mein verehrter Ausbilder", murmelte er vor sich hin, "wenn ich damals schon gewusst hätte, welche verborgenen Talente dieser Bär hat, den er mir seinerzeit als Abschiedsgabe aufgeschwatzt hatte, dann ..."

Der Bär und das Pferd blickten sich an, wobei das Pferd verächtlich schnaubte.

"...hättest du mich im nächstbesten Tierpark abgesetzt, ja, wir kennen die Story schon", führte Haggis den Satz zu Ende.

Uno verdrehte die Augen und gab resigniert auf. Er stützte sich immer noch auf seinen Stab und war sich nicht ganz sicher ob er jemals wieder ohne diesen selbständig stehen konnte.

"Warum graben wir nicht einfach einen der vielen Schätze aus, die du im Laufe der Zeit vergraben hast?" fragte Haggis. "Dann verdrücken wir uns nach Süden, bauen uns eine Hütte am Strand und lassen es uns gut gehen. Das wäre doch eine echte Alternative."

"Es gibt keine versteckten Schätze mehr", entgegnete Uno. "Ich habe alles ausgegeben, für Wein, Weib und Gesang. Den Rest habe ich verschenkt oder verloren."

"Hättest halt was zur Bank bringen sollen. Als Altersvorsorge."

"Ich habe immer damit gerechnet, jung zu sterben. Aber das Leben scheint sehr an mir zu hängen."

"Aber eines Tages wirst du ganz sicher sterben. Vielleicht schon heute."

"Natürlich. Deswegen bin ich ja auch hier."

Haggis schwieg und dachte verzweifelt nach. Der Weg vor ihnen führte in eine weite Schlucht hinein und Haggis betrachtete den Weg und den dichten Wald auf beiden Seiten. Der Pfad war kaum noch zu erkennen und die Natur war längst dabei, sich das verlorene Terrain zurück zu erobern. In einigen Jahren würde niemand mehr wissen dass es hier einst einen Weg gegeben hatte. Schon jetzt schien er vollständig vergessen zu sein.

"Bist du tatsächlich zum Sterben hierher gekommen?" fragte Haggis?

"Nein. Ich muss nur endlich etwas erledigen. Eine unangenehme Aufgabe, die ich schon seit dem Ende meiner Ausbildung vor mir herschiebe."

"Das sieht dir wieder ähnlich!", sagte Haggis mit vorwurfsvollem Brummen.

Uno streckte sich. Es knackte vernehmbar und einer Welle heißen Schmerzes durchzuckte sein zentrales Nervensystem.

"Mein Ausbilder" presste er hervor und versuchte, sich wieder unter Kontrolle zu bringen.

"Mein Ausbilder sagte damals zu mir ..." Uno schloss die Augen und versuchte die gelben Sternchen zu vertreiben, die über seine Netzhaut flirrten.

"Mein Sohn", sagte Haggis.

"Bitte?"

"Er hat 'Mein Sohn' gesagt."

"Woher willst du das denn wissen?"

"Nun, erstens war ich damals dabei und ich erinnere mich. Zweitens pflegte er immer 'Mein Sohn' zu sagen, wenn er dich an seiner weltumspannenden Weisheit teilhaben lassen wollte. Er ..."

"Haggis, du bringst mich durcheinander!"

"Sorry."

"Er sagte ... mein Sohn - beim Balrog, du hast mal wieder recht - du kannst dich auf viele Arten profilieren, aber erst, wenn du einen Troll im Zweikampf besiegst, hast du der Welt bewiesen, dass du zu allem fähig bist."

Haggis atmete scharf ein und bekam aufgrund der kalten Luft einen Hustenanfall. Er blickte noch einmal in die Schlucht und nahm wahr, dass die Felswände in einiger Entfernung auf einander zustrebten. Der Weg verwand im Halbdunkel zwischen den Bäumen, die bis tief in die Schlucht hinein wuchsen.

Ein unbestimmtes Unbehagen erwachte in Haggis. Er wünschte sich weit fort von diesem ungemütlichen Ort. Seine Krallen scharrten nervös im Kies.

"Zum Meer", bettelte Haggis. "Zu einem schönen warmen Ort an dem wir unseren Lebensabend verbringen können."

"Abgelehnt."

"Jetzt lass' doch diesen blöden Troll in Ruhe. Er hat dir schließlich nichts getan."

"Ich habe da wenig Wahl. Meine Aufgabe besteht nicht darin einen Kuchen zu backen sondern einen Troll zu töten. Oder wenigstens besiegen. Ich bin mir noch gar nicht sicher ob man Steintrolle überhaupt töten kann."

"Im Zweikampf", erinnerte sich Haggis. "Das klingt ganz danach als ob ich mich aus der Geschichte heraus halten könnte."

"Du wirst schön mitkommen und deinen Teil zum Gelingen beitragen", knurrte Uno.
"Ich habe dich fest eingeplant."

Uno zog einige Schnüre aus der Tasche und machte sich an einem riesigen Sack Stroh zu schaffen, der ihm auf der Anreise als Schlafunterlage gedient hatte. Anschließend befestigte er einige schmutzige Kleidungsstücke an dem unförmigen Kunstwerk.

"Verdammt hässlich", motzte Haggis. "Nicht mal eine Krähe würde sich da freiwillig drauf setzen wollen."

Uno schmunzelte nur.

"Du willst heute tatsächlich gegen einen Troll kämpfen?"

"Genau."

"Und nur deswegen haben wir den weiten Weg bis hierher zurückgelegt?"

"Mir blieb ja gar keine Wahl mehr", erwiderte Uno. "Und sei ehrlich - wann hast du den letzten Troll in freier Wildbahn gesehen? Die meisten Trolle leben heute friedlich in den Städten oder haben sich zu Genossenschaften zusammen geschlossen und arbeiten in Steinbrüchen und was weiß ich wo sonst noch. Es hat mich Monate gekostet um nur an die Information zu gelangen dass hier oben noch ein einsamer Troll herumspukt. Jetzt sind wir hier. Und jetzt wird gekämpft!"

. . .

Ein Paar riesige Füße landeten mit einem lauten Wumpppp direkt vor Haggis Nase. Schneekristalle stoben auf und setzten sich in sicherer Entfernung wieder. Der Bär legte den Kopf in den Nacken und erblickte den Kopf eines wütenden Trolls und noch weiter oben eine drohende Holzkeule, die mit den Armen des Trolls verbunden war.

"Halt", rief der Troll, "Gold oder Leben!"

Wertvolle Sekunden verstrichen. Der Steintroll musste feststellen dass sich der seltsam gekleidete Mann auf dem Pferd nicht für seine Worte zu interessieren schien und begann sich zu wundern. Seine Augen fokussierten langsam auf den Reiter, der nach wie vor in aufrechter Position auf dem verängstigten Pferd saß und erkannten diesen endlich als Vogelscheuche.

"Ähem", räusperte sich Haggis und setzte zu einer Erklärung an.

"Eine falsche Bewegung und ich zerlege dich in einen Haufen Kieselsteine!" ertönte es hinter dem Troll. Die Spitze eines Stabes bohrte sich unangenehm in das Hinterteil des Trolls. Winzige energetische Blitze, die vom Stab auf den Troll übergingen, leisteten einen zusätzlichen Teil Überzeugungsarbeit.

Der Troll wagte einen vorsichtigen Blick über die Schulter. Hinter ihm stand sein Gegner, seiner Kleidung nach zu schließen wohl ein Kundiger, der seinen Stab auf den Allerwertesten des Trolls gerichtet hatte und offensichtlich zu allem bereit war. Er überdachte seine Möglichkeiten. Sollte er den Kundigen mit einer schnellen Drehung hinwegfegen? Oder einfach die Keule hinten herunter fallen lassen?

"Weg mit der Keule und hinsetzen!" forderte sein Gegner. Der Troll begann fieberhaft nachzudenken, was aufgrund der niedrigen Temperatur für einen Steintroll gar nicht so einfach war. Er entschloss sich endlich der freundlichen Aufforderung Folge zu leisten, ließ die Keule dorthin fallen, wo sie keinen Schaden anrichten konnte, und setzte sich hin.

Uno umrundete den Troll mit weiterhin gezücktem Stab und stellte sich neben Haggis. Der Troll blinzelte und rief plötzlich aus: "Ich kenne dich irgendwoher … warte mal … na klar, wir kennen uns vom Musikfestival in der Feste Guruth. Die Veranstaltung vor einigen Jahren, die von den Bilwissen der einsamen Lande überfallen wurde. Wir haben Seite an Seite gekämpft und die Mordbuben aus dem Land vertrieben, erinnerst du dich nicht?"

Uno betrachtete den Troll genauer. "Porphyr? Bist du das? … Na sicher, du bist der dicke Troll, der uns allen voran gestürmt ist und mit seiner Keule mit den Bilwissen Golf gespielt hat. Die Party im Anschluss war auch nicht schlecht … warum versteckst du dich denn hier oben in der Einsamkeit?" Uno zog den Stab zurück und sagte "Eigentlich schade, aber ich glaube wir können unseren Kampf abbrechen. Falls du meinen Namen vergessen hast – ich bin Uno, und das hier Haggis, mein Bär."

Sie begrüßten sich wie alte Freunde und Uno sagte: "Ich habe ja mit allem Möglichen gerechnet, aber ausgerechnet dich hätte ich hier nicht erwartet. Als wir uns trennten warst du doch gerade auf dem Weg in den Düsterwald, oder irre ich mich da?"

"Das stimmt wohl", sagte Porphyr, "ich hatte mich damals dort gründlich umgesehen und versucht, eine Schlucht oder eine Brücke im Düsterwald zu kaufen. Ich hätte so etwas auch günstig erwerben können. Aber damals war dort im Düsterwald noch überhaupt nichts los; als Straßenräuber wäre ich dort nicht reich geworden. In einem verwunschenen, einsamen Gasthof erzählte man mir, dass dieses der wohl abgelegenste Teil des Reiches wäre und sich hier regelmäßig Wolf und Fledermaus 'Gute Nacht' wünschten.

"Das sah aber kurze Zeit später schon völlig anders aus", sagte Uno. "Die Abenteurer traten sich überall im Düsterwald gegenseitig auf die Füße, um dort etwas erleben zu können. Und zur Zeit treiben sie sich alle irgendwo im Lande Rohan herum. Aber es wird sicher bald der Tag kommen an dem irgendwer 'Gold' oder 'Mithril' schreit und das ganze Pack wird sich wieder auf den Weg machen um andere Landschaften unsicher zu machen. So war es schon immer und so wird es immer weiter gehen."

"Aber auf genau diese Abenteurer bin ich ja schließlich angewiesen. Diese Schlucht hier wurde mir von einem Hobbit-Makler in der Feste Guruth angeboten. Dieser Schurke von Makler warb damit dass dort in der Gegend regelmäßig Jagdreisen unternommen würden und ich somit ein gesichertes Auskommen haben würde. Wir machten sogar einen Ausflug hierher und ich konnte mich davon überzeugen dass hier ein umfangreiches Ausflugsprogramm angeboten wurde. Ganz unten am Hauptweg gab es damals sogar eine Würstchenbude."

Uno nickte zustimmend. "Genau, das waren die berüchtigten Jagdreisen, 'Teilnahme kostenlos, Jägertaxi wird gestellt'. Die Ausflüge gingen in alle möglichen einsamen Gegenden des Landes. Die Begeisterung war beinahe grenzenlos. Das eine oder andere mal war sogar ich dabei."

"Ja, ich war auch völlig begeistert als ich die vielen Leute sah. Ich habe sofort zugeschlagen und mir diese Schlucht gesichert."

"Und wieso konnte man eine solche Schlucht überhaupt kaufen? Üblicherweise werden solche Trollschluchten doch von Generation auf Generation weiter gegeben und Außenstehende erhalten gar nicht erst die Gelegenheit für einen Erwerb."

"Der Vorbesitzer, ein Troll namens Dhit, war verstorben und seine Nachkommen wollten sein Gewerbe nicht mehr fortführen und so konnte ich das Grundstück samt Immobilie günstig erwerben. Aber kaum war der Vertrag unterschrieben und ich hier in meine Höhle eingezogen, da verschwanden die Ausflügler von einem Tag auf den anderen. Nur noch ganz selten verirrt sich heute noch ein einsamer Reisender in diese Gegend."

"Ja, die ganze Angelegenheit scheint langsam in Vergessenheit zu geraten", pflichtete ihm Uno bei. "Ich musste ziemlich lange herum fragen um an Informationen über ein von einem Troll bewohntes Tal zu gelangen."

"Darf ich dich auf einen Tee einladen?" fragte Porphyr. "Meine Höhle liegt hier gleich um die Ecke."

Sie machten sich auf den Weg und betraten nach kurzer Zeit eine Höhle, die wegen der Bäume vom Weg aus so gut wie nicht zu erblicken war. Drinnen wurden sie von einer mürrisch drein blickenden Trollfrau empfangen, die Porphyr als Minette, die beste Ehefrau von allen vorstellte. Die Höhle war ein langer, dunkler Schlauch durch das Gestein mit einem gut einen Meter dicken Abzug am hinteren Ende. Es zog erbärmlich, was aber auch seine guten Seiten hatte, denn Uno versuchte sich den Geruch vorzustellen, den die selbe Höhle ohne Abzug vorzuweisen gehabt hätte. "Und so etwas nennt er eine Immobilie", dachte Uno bedauernd.

Mittlerweile hatten sich einige Trollkinder um Porphyr versammelt. Porphyr nahm das jüngste auf den stämmigen Arm, sagte "Hallo Tuff", wies dann auf die anderen und rief auch deren Namen: "Hier, das sind Splitt, Bauxit und Trachyt".

Splitt drängelte sich frech vor und rief lautstark: "Musst du jetzt kämpfen, Papi?"

"Nein, heute wird nicht gekämpft", sagte Porphyr, "heute haben wir Gäste. Das ist ein alter Bekannter von mir. Wir haben tolle Dinge zusammen erlebt."

"Gäste", rief Minette, "du bist mir ein rechter Straßenräuber. Alle paar Monate kommt hier ein Reisender vorbei und du hast nichts besseres zu tun, als dein Opfer als Gast in unsere Höhle zu führen. Es ist ja noch nicht mal aufgeräumt ..."

Die Trollfrau musterte Uno von Kopf bis Fuß.

"Ist er wenigstens reich?" fragte sie skeptisch.

Uno und Porphyr versuchten, diese Frage zu ignorieren. Porphyr strengte sich an, das Gespräch in sicheres Fahrwasser zu lenken.

"Im Gegensatz zu mir bist du doch sicher weit herum gekommen, während ich mich hier in den Trollhöhen versteckt habe. Welche Heldentaten hast du in den letzten Jahren vollbracht? Was passiert so alles in der weiten Welt?"

Uno spürte Minettes durchdringenden Blick auf sich ruhen.

"Er ist doch nur ein alter Mann", stellte sie fest. "Sieht gar nicht aus wie ein Held - eher wie ein abgerissener Landstreicher. Wenn mit ihm wirklich soviel los sein soll ... warum ist er dann nicht reich?"

"Komm' mal mit, Porphyr", sagte Uno.

Er verließ die Höhle, schlenderte zum Ende der Schlucht und ließ dabei den Stab am ausgestreckten Arm hin und her baumeln. Der Troll folgte ihm.

Der Kundige holte den Tabak hervor, sah zu Porphyr und bot ihm den Beutel an.

"Möchtest du rauchen?" fragte er.

"Das Zeug kann einen umbringen", erwiderte der Troll.

"Sicher. Aber nicht heute."

"Verschwende keine Zeit, indem du mit dem Alten schwatzt!" rief Minette lautstark vom anderen Ende der Schlucht. "Heute ist genau der richtige Tag für dich, zum Steinbruch meines Bruders zu gehen! Du solltest diese Chance endlich nutzen."

Die letzten Worte wurden von einem Echo mehrfach wiederholt, so dass sie umso eindringlicher wirkten. Porphyr sah Uno an und lächelte schief.

"Eigentlich meint sie's nur gut", sagte er.

"Hier sieht es ja übel aus", meinte Uno. "Eigentlich bin ich gekommen, um einen Troll zu finden, zu besiegen und seine gesammelten Schätze zu stehlen. Du kannst von Glück sagen dass wir Bekannte sind! Meine Pläne hast du jedenfalls vollständig über den Haufen geworfen. Aber ich denke dass ich hier keinen Schatz gefunden hätte, nicht wahr?"

"Nein, bei uns ist nichts zu holen. Ehrlich gesagt muss ich einige Tage die Woche im nahegelegenen Sägewerk arbeiten oder Bäume dafür heranschaffen, damit wir über die Runden kommen. Es ist nicht leicht - aber ich habe mir diese Schlucht nun einmal ausgesucht und stehe jetzt auch dazu. Nur muss ich mir andauernd von Gneis anhören, wie man es im Leben zu etwas bringt. Er ist ein anderer Bruder von Minette und Besitzer des Sägewerks. Er beschimpft mich immer als Betonkopf weil ich hier oben nicht wegziehen will. Dabei solltest du das Tal einmal im Sommer sehen - einfach traumhaft, diese Lage ..."

"Und der Job im Steinbruch? Ist das was für dich?" fragte Uno.

"Ja, schon", gab Porphyr zu. "Man kann da zwar nicht steinreich werden, aber ein geregeltes Einkommen hat ja auch seinen Wert. Aber wer soll sich dann um meine Schlucht kümmern? Ich kann den Durchgang ja schließlich nicht unbesetzt lassen, wer weiß wer sich hier dann alles herumtreibt ..."

"Vielleicht solltest du die Schlucht verpachten, ich glaube es ist nicht gut für euch, hier oben in der Einsamkeit zu leben. Denk mal drüber nach. Ihr Trolle seid doch eher gesellige Typen, oder?"

Porphyr blieb stur. "Ich gehe hier nicht mehr weg."

"Also wenn du den Abenteuern, von denen du ja leben willst, nicht hinterher laufen willst, dann solltest du dir eine Arbeit in der Rohstoffindustrie suchen. Damit kannst du dich auch schnell und einfach selbständig machen. Du sammelst einfach Holz und Erz und das eine oder andere Fell und bietest diese Rohstoffe direkt an. Gerade das hiesige Erz kann man sündhaft teuer verkaufen, wohl weil es kaum noch jemand abbaut und anbietet, aber der Bedarf ist trotzdem immer vorhanden."

Porphyrs Augen begannen zu leuchten.

"Du bist ein wahrer Freund. So könnte ich hier wohnen bleiben und trotzdem ein Einkommen erzielen. Ich glaube ich sollte diese Alternative überdenken ..."

. . .

"Was hast du ihm gegeben?" fragte Haggis, als sie wieder unterwegs waren.

"215 Silberstücke, 50 Kupferstücke und ein paar gute Ratschläge."

"Und warum genau diese Summe?" fragte Uno.

"Nun - ich hatte nicht mehr dabei."

"Du musst komplett verrückt geworden sein", sagte Haggis.

"Als ich jung war, gab es in jeder Schlucht Trolle und in jedem Wald gab es Bilwisse und Orks, die einem das Leben schwer machten. Wer hat das alles verschwinden lassen?"

"Ich denke das warst du!" sagte Haggis und grinste breit. "Wenigstens hast du einen guten Teil dazu beigetragen."

Uno seufzte. "Ich dachte immer, die Wildnis wäre unendlich. Anscheinend habe ich mich geirrt."

"Wirst du jetzt auf deine alten Tage sentimental?"

"Na und?"

"Gibst das letzte Geld einem Troll!"

"... als hätte mich der Troll erfolgreich ausgeraubt, sozusagen um den Schein zu wahren. Ja, irgendwie trauere ich den alten Zeiten hinterher. Früher war alles besser, intensiver."

Der Wind zerrte an Unos Kleidung.

"Und wärmer war es früher auch. Lass uns hier verschwinden."

Ein eisiger Wind fegte über die Hänge, als sie auf dem Weg ins Tal waren. Er drang durch Mark und Bein und ließ die spärlichen Fichten erzittern. Die Wölfe zogen als große Rudel von Siedlung zu Siedlung verängstigten durch ihr Geheule Mensch und Tier.

Vernünftige Leute blieben bei solchem Wetter zu Hause und wärmten sich am Kamin. Sie erzählten Geschichten über Helden.
18.04.2010 10:16 Rowana ist offline E-Mail an Rowana senden Beiträge von Rowana suchen Nehmen Sie Rowana in Ihre Freundesliste auf
Gazania
Haradrim-Krieger


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Dabei seit: 16.09.2009
Beiträge: 99
Server: Belegaer
Herkunft: Sauerland

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Klasse! Tolle Geschichte, hat richtig Spaß gemacht, sie zu lesen.

__________________
Elb zum Zwerg: "Lass uns verschwinden, da sitzt ein Drache auf dem Schatz."
Zwerg zum Elb: "Schon, aber da ist ein Schatz unter dem Drachen."

.:: http://trick7.de.vu ::.
02.05.2010 11:54 Gazania ist offline E-Mail an Gazania senden Beiträge von Gazania suchen Nehmen Sie Gazania in Ihre Freundesliste auf
Celedori Celedori ist männlich
Knecht der Haradrim


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Dabei seit: 28.02.2010
Beiträge: 70
Server: Morthond
Herkunft: Rheinland

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Hier gibts echt tolle Geschichtenerzähler!
Macht echt Spaß sie zu lesen.
smile

__________________
[B]Celedori[/B] muskulierter Mensch des Breelandes.
In seiner Freizeit verkloppt er
Zwerge.
02.05.2010 16:04 Celedori ist offline E-Mail an Celedori senden Beiträge von Celedori suchen Nehmen Sie Celedori in Ihre Freundesliste auf
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